Mal kurz auf Weltreise

 Foto: Fritz Hofmeister

 

Mal kurz auf Weltreise
Vox Musica begeisterte mit Liedern in elf Sprachen

Italien, Südafrika,  Venezuela, Schweden, Finnland, Russland,  Indonesien, Philippinen Frankreich, Israel und Uruguay – einer im Grunde  verrückten Route folgte Vox Musica am vergangenen Wochenende beim Konzert „In 80 Minuten um die Welt“. Im Seligenstädter Rathaus-Innenhof hatten dazu rund 300  Gäste eingecheckt  - und starteten mit dem Chor zu einem wahren musikalischen Höhenflug.


Unter der Leitung von Christoph Dombrowski waren die etwa 60 Sängerinnen und Sänger in den vergangenen Monaten rund um den Globus auf der Suche nach neuen Klangwelten und präsentierten nun ihre Fundstücke  – für den Chor mitunter eine tonale und rhythmische Herausforderung, aber auch ein fantastisches Abenteuer, wie Tobias Schwab in der Begrüßung anmerkte.


Zum Aufbruch intonierte Vox  Musica, am Piano vom virtuos aufspielenden Johannes  Wallbaum begleitet, zwei Stücke aus dem Seligenstadt-Musical „Eginhard und Imma“ von Thomas Gabriel. Um dann nach einem Zwischenstopp in Italien - mit Liedern von Giovanni Gastoldi  - auf die Langstrecke Richtung  Südostasien zu gehen.  Eine Region mit einer großartigen Chortradition.  Mit „Janger“, der Vertonung eines  balinesischen Tempeltanzes, setzte Vox Musica einen ersten Höhepunkt,  den  Bassist  Stefan Brettinger mit sakraler Würde solistisch einleitete.  Das Publikum fand sich unvermittelt  in ganz neuen Klangsphären wieder und feierte „Janger“ wie auch das anschließende philippinische Liebeslied „Katakataka“ mit begeistertem Applaus.


Auf der von Lisa Buck, Birgit Weyel, Peter Gmehling und Tobias  Schwab kurzweilig und instruktiv moderierten musikalischen Reise erklang dann auch „Dirait-on“ -  die sinnlich-zarte, geradezu schwebende Komposition des Amerikaners  Morten Lauridsen, der Rainer Maria Rilkes französischen Zyklus  „Les Roses“ (Die Rosen) in bezaubernde Lieder gefasst hat.  Dazu gesellte sich das luftig-leichte „Butterfly“ der Finnin Mia Makaroff – mit dem Vox Musica die Zuhörer im Rathaus-Innenhof auf eine Schmetterlingswiese  führte.


In brachialem Kontrast dazu dann der Shakespeare-Song „Double, double, toil and trouble“ von Jaako Mäntyjärvi.  Die von ihm vertonte Hexen-Szene aus der Tragödie „Macbeth“ interpretierte Vox Musica mit hörbarer Freude an den schaurig-abgründigen und schrägen Klang-(Unter-)Welten.


Im zweiten Teil der musikalischen Weltreise war der Stopp im südlichen Afrika ohne Zweifel das Highlight. „Hlohonolofatsa“, das in der Bantusprache Sesotho verfasste und von Daniel Jackson arrangierte Segenslied, brachte Chor und Publikum in Bewegung. Eindrucksvoll dabei die Solisten Marina Salg, Thomas Millitzer, Lisa Buck und  Ralf Albrecht, die die markante Eingangsphrase aus allen vier Ecken des Rathaus-Innenhofs intonierten, sowie Rhythmus-Mann Martin Bergmann an der Djembé. Auch beim Suaheli-Song „Sililiza“ von Jim Papoulis sprang der Funke schnell über.


Mit „Ronda Catonga“ aus Uruguay, bei dem Thomas Millitzer mit Klangstäben den Takt vorgab,  und dem lebhaften venezolanischen Volkslied „La Puerca“, das Thomas Klostermann auf der Ukulele begleitete, war Vox Musica dann in Südamerika angekommen.  Nicht ohne vorher noch musikalische Abstecher in Russland und Schweden zu machen.


Zum fulminanten Finale geriet schließlich „The battle of Jericho“ in der  Version von Moses Hogan. Das Spiritual ließ die Rathaus-Mauern beinahe erzittern und war ein letzter vokaler Ansturm auf das Publikum, dessen Herzen Vox Musica mit Liedern in elf Sprachen freilich längst erobert hatte.


Da konnte die von Christoph Dombrowski  am Pult einfühlsam und energisch zugleich geführte Weltreise auf den letzten Metern Richtung Heimat dann auch ganz relaxed mit dem Song „Parkplatzregen“ von Oliver Gies ausklingen. Zum Glück aber war das nur eine klangliche Impression – denn die Tour „In 80  Minuten um die Welt“ konnten alle Beteiligten trockenen Hauptes an einem herrlichen Spätsommerabend genießen.

(Tobias Schwab, 09/2018)